red bull music academy presents 'hiphop spricht'

Hip Hop spricht: Deutschlands Rapelite diskutierte in Berlin

Ein kollektives Jahrhundert Bühnenerfahrung hatte die Red Bull Music Academy Academy am 26.04.08 zum Gipfeltreffen der deutschen Rapszene „Hip Hop spricht.“ in den Berliner „Postbahnhof“ geladen. Über 500 Musikinteressierte, Fans und Szenegrößen folgten dem Ruf. Obwohl das Genre momentan hauptsächlich durch Gewaltausschreitungen und exzessive Wortwahl im Medienmittelpunkt steht, konzentrierten sich Samy Deluxe, Azad, Torch, Dendemann und Nico von K.I.Z. auf den Kern der Kultur: die Musik. „Hip Hop hat es mittlerweile verdient, als eigenständige Kultur wahrgenommen zu werden und nicht nur als kurzlebiger Trend“, so Samy Deluxe.



Auch die geladenen Producer, die sich nach der Diskussion noch geduldig den Fragen der Zuschauer stellten, betonten den Wert von künstlerischer Eigenständigkeit und Leidenschaft. „Man muss Regeln auch mal vergessen und einfach seinem Gefühl folgen,“ erklärte Aggro-Berlin-Produzent Tai Jason. Und DJ Dynamite von Dynamite Deluxe brachte es auf den Punkt: „Kopf und Herz – das ist das Wichtigste!“



Für das anschließende Konzert räumten die Arrivierten schließlich das Feld und übergaben den Staffelstab an einige der talentiertesten Newcomer des Landes: Huss und Hodn, Morlockk Dilemma, Marteria alias Marsimoto und die Berliner Chartstürmer K.I.Z. zeigten, dass es sehr wohl einen goldenen Mittelweg zwischen Gangsta-Platitüde und sturer Vergangenheitsverklärung gibt.


Hip Hop spricht…

…über künstlerische Verantwortung.
„Wir Rapper erreichen mittlerweile mehr Leute als die Politiker. Und deswegen sollten wir ihnen auch Wege zeigen, wie sie ihr Leben verbessern können. Immer nur zu sagen: Das ist nicht unser Job – ist das nicht auch heuchlerisch?“ (Torch)

…über Provokation in der Musik.
„Ich möchte einen klugen Satz meines Labelchefs Staiger zitieren: Ich höre lieber einen guten Song über’s Ficken als einen schlechten über Politik.“ (Nico / K.I.Z.)

…über Erwachsenwerden mit Hip Hop.
„Ich leite zwei Firmen, habe einen gemeinnützigen Verein gegründet und halte Workshops in Schulen ab – und all das lasse ich auch wieder in meine Musik einfließen. Es geht nicht nur um Verkaufszahlen und Geld. Es geht darum, als erwachsener Mann respektiert zu werden, der mehr ist als nur ein Clown in weiten Hosen. Und das ist meines Erachtens ein wichtiges Zeichen für junge Leute, gerade solche mit anderer Hautfarbe oder anderem kulturellem Hintergrund.“ (Samy Deluxe)

…über den Boom der Szene.
"All unsere Sprüche und Redewendungen sind im kleinen Kreis auf Klassenfahrt entstanden. Und plötzlich benutzten alle unseren Slang und alle und alles war „am Start“. Wenn dich plötzlich dein Vater am Telefon fragt, was „geht“?, dann ist das durchaus eine Erfahrung der besonderen Sorte." (Dendemann)

…über Rap als Lebensperspektive.
"Wenn Kids aus schwierigen Bezirken durch Rap eine finanzielle Perspektive aufgezeigt bekommen und dabei auch noch gute Musik herauskommt, ist das eine sehr positive Sache. Dagegen spricht überhaupt nichts. Aber trotzdem sollte man Musik nicht allein wegen des schnellen Geldes machen. Dadurch geht sehr viel verloren.“ (Azad)

Eine einstündige Sendung zur Veranstaltung findet ihr demnächst auf www.redbullmusicacademyradio.com.
Einen Mitschnitt von Marterias – bislang unveröffentlichtem – Abschlusssong „Todesliste“ gibt es hier.

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